Was Milliardäre ihren eigenen Kindern verbieten: die Sammlung mit allem, was sie uns lieber verschweigen

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Warum verbieten ausgerechnet die Menschen, die uns iPads, Handys und Apps verkauft haben, genau diese Dinge ihren eigenen Kindern? Was wissen sie über das, was sie gebaut haben, das wir nicht wissen?

Ein Handy gehört heute für fast jeden Jugendlichen einfach dazu. Aber was die wenigsten wissen, ist, wie streng ausgerechnet die Erfinder dieser Geräte und Apps bei sich zu Hause sind. In diesem Beitrag möchte ich mit dir über ein paar Dinge sprechen, die den wenigsten bewusst sind.

Du hast SAMMLUNG kommentiert, und hier ist sie: die sechs Fälle aus meinem Beitrag, ausführlicher und mit Quellen, also wer was wann und wo gesagt hat. Dazu kommen viele weitere Fälle derselben Art, aus der Technik und aus der Lebensmittelindustrie. Und am Ende zeige ich dir, was du zu Hause ganz konkret selbst tun kannst.

Ich habe drei Kinder großgezogen, heute bin ich Oma, und dieses Thema lässt mich nicht mehr los.

1. Steve Jobs: das iPad für die ganze Welt, aber nicht für die eigenen Kinder

Im Jahr 2010 brachte Steve Jobs das erste iPad heraus. Apple verkaufte es in die ganze Welt, auch an Familien mit kleinen Kindern. Ende 2010 telefonierte der Technik-Journalist Nick Bilton von der New York Times mit Jobs und fragte ihn, ob seine Kinder das iPad lieben. Jobs antwortete: „Sie haben es nicht benutzt. Wir begrenzen zu Hause, wie viel Technik unsere Kinder nutzen.“

Bilton hat dieses Gespräch erst 2014 veröffentlicht, drei Jahre nach Jobs’ Tod, in einem Artikel mit dem Titel „Steve Jobs war ein Low-Tech-Vater“.

Später fragte Bilton auch Walter Isaacson, der die große Biografie über Jobs geschrieben hat, was die Kinder stattdessen gemacht haben. Isaacson erzählte: „Jeden Abend legte Steve Wert darauf, am großen langen Tisch in ihrer Küche zu Abend zu essen und über Bücher, über Geschichte und alles Mögliche zu sprechen. Niemand holte jemals ein iPad oder einen Computer hervor. Die Kinder wirkten überhaupt nicht abhängig von Geräten.“

Ich finde dieses Bild sehr stark. Der Mann, der die ganze Welt an den Bildschirm gebracht hat, saß abends mit seinen Kindern am Küchentisch und hat mit ihnen über Bücher geredet.

2. Bill Gates: das erste Handy erst mit 14

Microsoft hatte sich einmal das Ziel gesetzt, einen Computer auf jeden Schreibtisch und in jedes Zuhause zu bringen. Bei Bill Gates selbst zu Hause galten dagegen klare Regeln. Im April 2017 sagte er der britischen Zeitung „Mirror“: „Wir haben keine Handys am Tisch, wenn wir essen. Wir haben unseren Kindern erst mit 14 ein Handy gegeben, und sie haben sich beschwert, dass andere Kinder früher eins bekommen haben.“

Und abends war Schluss: „Wir legen oft eine Uhrzeit fest, nach der es keine Bildschirmzeit mehr gibt. Das hilft ihnen, zu einer vernünftigen Zeit einzuschlafen.“

Schon 2007 hatte Gates erzählt, dass seine älteste Tochter Jennifer zwei bis drei Stunden am Tag mit einem einzigen Videospiel verbringen konnte. Er und seine damalige Frau Melinda führten deshalb eine feste Grenze ein: 45 Minuten Spielzeit am Tag, am Wochenende eine Stunde, dazu nur, was für die Hausaufgaben nötig war. Als sein Sohn fragte, ob er sein ganzes Leben solche Grenzen haben werde, antwortete Gates: „Nein, wenn du ausziehst, kannst du dir deine eigenen Grenzen setzen.“

Melinda Gates schrieb im August 2017 in der Washington Post, sie habe ihr ganzes Berufsleben in der Technik verbracht und sei trotzdem nicht darauf vorbereitet gewesen, was Smartphones mit ihren Kindern machen. Mit dem ersten Handy hätte sie im Nachhinein am liebsten noch länger gewartet.

3. Evan Spiegel: anderthalb Stunden Bildschirm pro Woche

Evan Spiegel hat Snapchat gegründet, eine der größten Social-Media-Apps der Welt und bei Jugendlichen besonders beliebt. Ende 2018 erzählte er der Financial Times, dass sein damals siebenjähriger Stiefsohn Flynn anderthalb Stunden Bildschirmzeit bekommt. Und zwar nicht am Tag, sondern in der ganzen Woche. Gemeint sind dabei alle Bildschirme zusammen, nicht nur seine eigene App.

Er selbst ist so aufgewachsen. Seine Eltern ließen ihn erst fernsehen, als er „fast ein Teenager“ war, und er sagte dazu: „Ich fand das tatsächlich wertvoll, weil ich viel Zeit damit verbracht habe, einfach Sachen zu bauen und zu lesen.“

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Im Oktober 2025 erzählte seine Frau, das Model Miranda Kerr, in einem Podcast: „Mein Mann ist sehr gegen Bildschirme für die Kleinen, weil er selbst so aufgewachsen ist.“ Als sie vorschlug, am Wochenende oder zu besonderen Anlässen mal gemeinsam mit den Kindern einen Film zu schauen, war seine Antwort: „Okay, aber nicht jedes Wochenende.“

Ich glaube, er weiß sehr genau, was so eine App mit einem macht.

4. Steve Chen: Kurzvideos? Nicht für seine Kinder

Steve Chen hat 2005 YouTube mitgegründet und war dort der technische Chef. Heute laufen auf YouTube, genau wie auf TikTok und Instagram, endlos Kurzvideos, eins nach dem anderen, immer weiter nach oben gewischt. Und genau davon will Chen seine eigenen zwei Kinder fernhalten.

Im Juli 2025 sagte er bei einem Gespräch an der Wirtschaftsfakultät der Stanford-Universität: „Ich weiß nicht, ob ich will, dass meine Kinder Kurzvideos als einzige Form schauen und dann nichts mehr anschauen können, das länger als 15 Minuten dauert.“ Und weiter: „TikTok ist Unterhaltung, aber eben reine Unterhaltung. Nur für den Moment. Kürzere Inhalte bedeuten kürzere Aufmerksamkeitsspannen.“

Er erzählte auch von Eltern, die ihre Kinder ganz bewusst längere Videos schauen lassen, ohne die grellen Farben und Tricks, mit denen gerade die Jüngsten gefesselt werden. Das funktioniere gut, sagte er: „Wenn sie nicht gleich mit Kurzvideos in Berührung kommen, sind sie mit den anderen Inhalten zufrieden.“

Das Wirtschaftsmagazin Fortune hat es danach in einer Überschrift zusammengefasst: Der YouTube-Mitgründer will nicht, dass seine Kinder Kurzvideos schauen, weil Kurzvideos zu kürzeren Aufmerksamkeitsspannen führen.

5. Elon Musk: Seine Kinder wurden „von Reddit und YouTube programmiert“

Elon Musk hat 2022 Twitter gekauft, das heute X heißt, und besitzt damit selbst eine der größten Plattformen der Welt. Im Februar 2023 wurde er beim World Government Summit in Dubai gefragt, ob es bei ihm zu Hause Regeln für Social Media gibt. Seine Antwort: „Ich habe nicht versucht, Social Media für meine Kinder einzuschränken, und das könnte ein Fehler gewesen sein.“

Dann wurde er sehr deutlich: „Sie sind von Reddit und YouTube programmiert worden.“ Inzwischen würde er Social Media stärker begrenzen und genau darauf achten, was seine Kinder schauen, „denn ich glaube, sie werden inzwischen von irgendeinem Social-Media-Algorithmus programmiert“. Eltern sollten deshalb aufpassen, dass ihre Kinder nicht von einem Algorithmus programmiert werden, der „im Silicon Valley geschrieben“ wurde.

Die Zeitung Khaleej Times aus Dubai schrieb noch am selben Tag: Musk bereut, dass er Social Media für seine Kinder nicht begrenzt hat.

Einer der mächtigsten Männer der Technikwelt sagt also ganz offen, dass er es bei seinen eigenen Kindern heute anders machen würde. Das finde ich bemerkenswert.

6. Der McDonald’s-Chef und der winzige Bissen

Anfang Februar 2026 stellte McDonald’s-Chef Chris Kempczinski auf Instagram selbst einen neuen, besonders großen Burger vor, den „Big Arch“. Er nennt ihn darin immer wieder „das Produkt“ und sagt: „Ich liebe dieses Produkt.“ Dann beißt er ab, und der Bissen ist so klein, dass man ihn kaum sieht. Trotzdem sagt er: „Das war ein großer Bissen für einen Big Arch.“

Das Video wurde mehr als 16 Millionen Mal angesehen. Vielen Zuschauern fiel auf, dass er kaum zu kauen scheint und nicht so aussieht, als würde es ihm schmecken. In den Kommentaren zweifelten sie offen daran, dass er den Rest wirklich aufisst, und einer schrieb: „Es macht mir Angst, wenn du Essen ‚Produkt‘ nennst.“ Bei einem weiteren Probier-Video von ihm wollen Nutzer in Zeitlupe sogar gesehen haben, wie er den Bissen danach in die Serviette gibt.

Selbst die Konkurrenz machte sich darüber lustig. Burger King schrieb unter das Video: „Wir haben ihn auch nicht geschafft.“ Und Wendy’s veröffentlichte einen eigenen Clip mit dem Satz: „So sieht es aus, wenn man nicht so tun muss, als würde man sein ‚Produkt‘ mögen.“

Im April 2026 erklärte Kempczinski dem Wall Street Journal, schuld sei seine Mutter, denn sie habe ihm beigebracht, nicht mit vollem Mund zu sprechen. Und im Video zu genau diesem Interview probierte er wieder etwas von McDonald’s, wieder mit einem winzigen Bissen. Viele fanden das noch schlimmer als beim Burger.

In meinem Beitrag habe ich gefragt: Warum wohl? Mir fällt vor allem auf, welches Wort er für sein eigenes Essen wählt. Er sagt nicht Burger und nicht Essen, er sagt Produkt.

Und das sind längst nicht alle

Als ich angefangen habe, für diese Sammlung zu recherchieren, war ich ehrlich überrascht, wie viele solcher Fälle es gibt. Die britische Zeitung The Guardian hat schon 2017 geschrieben, dass sich viele Technik-Entwickler von ihren eigenen Produkten entwöhnen und ihre Kinder auf Schulen schicken, an denen iPhones, iPads und sogar Laptops verboten sind. Sie verglich das mit einer alten Regel aus dem Drogenhandel: Nimm nie selbst von dem, was du verkaufst. Hier sind die Fälle, die ich gefunden habe.

7. Tim Cook, Chef von Apple

Steve Jobs’ Nachfolger an der Spitze von Apple hat keine eigenen Kinder. Im Januar 2018 sagte er bei einem Besuch an einem College in England: „Ich habe kein Kind, aber ich habe einen Neffen, dem ich Grenzen setze. Es gibt Dinge, die erlaube ich nicht. Ich will nicht, dass er in einem sozialen Netzwerk ist.“

8. Sundar Pichai, Chef von Google

Zu Google gehört auch YouTube. Im November 2018 erzählte Google-Chef Sundar Pichai der New York Times, dass sein damals elfjähriger Sohn kein eigenes Handy hat. Und den Fernseher hat die Familie absichtlich so aufgestellt, dass er nicht leicht erreichbar ist. Es soll eine Hürde geben, bevor man einfach so fernsehen kann.

9. Chamath Palihapitiya, früher bei Facebook zuständig für das Wachstum

Er war bei Facebook dafür verantwortlich, dass immer mehr Menschen die Plattform nutzen. Ende 2017 sagte er an der Stanford-Universität, er empfinde „ungeheure Schuld“, und weiter: „Die kurzfristigen, von Dopamin getriebenen Rückkopplungsschleifen, die wir geschaffen haben, zerstören, wie unsere Gesellschaft funktioniert.“ Über sein eigenes Zuhause sagte er: „Ich kann meine eigene Entscheidung kontrollieren, und die lautet: Ich benutze diesen Mist nicht. Ich kann die Entscheidungen meiner Kinder kontrollieren, und die lautet: Sie dürfen diesen Mist nicht benutzen.“

10. Sean Parker, erster Präsident von Facebook

Sean Parker wurde durch Facebook zum Milliardär. Im November 2017 erklärte er bei einer Veranstaltung des Nachrichtendienstes Axios, wie die Plattform von Anfang an gedacht war. Die Frage sei gewesen: „Wie verbrauchen wir so viel von deiner Zeit und deiner bewussten Aufmerksamkeit wie möglich?“ Jedes Like sollte einen „kleinen Dopamin-Kick“ geben, damit man mehr hochlädt. Das sei genau das, was sich ein Hacker wie er ausdenken würde, „weil man eine Schwachstelle der menschlichen Psychologie ausnutzt“.

Und dann sagte er zwei Sätze, die ich nicht vergessen werde: „Die Erfinder, die Macher, das bin ich, das ist Mark Zuckerberg, das ist Kevin Systrom von Instagram, das sind all diese Leute, haben das bewusst verstanden. Und wir haben es trotzdem gemacht.“ Und: „Gott allein weiß, was es mit den Gehirnen unserer Kinder macht.“

11. Justin Rosenstein, Erfinder des Like-Knopfes

Justin Rosenstein hat bei Facebook den Like-Knopf entwickelt. 2017 erzählte er dem Guardian, dass er sich Reddit auf seinem Laptop gesperrt und Snapchat verboten hat, das er mit Heroin vergleicht. Und weil das nicht reichte, ließ er sich auf seinem neuen iPhone von seiner Assistentin eine Kindersicherung einrichten, damit er selbst keine Apps mehr herunterladen kann. Likes nennt er „ein helles Bimmeln von Scheinvergnügen“.

12. Loren Brichter, Erfinder des Herunterziehens zum Aktualisieren

Wenn du auf dem Handy mit dem Finger nach unten ziehst, damit neue Beiträge erscheinen, nutzt du eine Erfindung von Loren Brichter aus dem Jahr 2009. Der frühere Google-Mitarbeiter Tristan Harris hat das mit einem Spielautomaten verglichen: „Jedes Mal, wenn du nach unten wischst, ist es wie bei einem Spielautomaten. Du weißt nicht, was als Nächstes kommt.“ Brichter selbst sagte dazu im Guardian: „Ich stimme zu 100 Prozent zu. Ich habe jetzt zwei Kinder, und ich bereue jede Minute, in der ich ihnen keine Aufmerksamkeit schenke, weil mich mein Smartphone hineingezogen hat.“

13. Chris Anderson, früher Chefredakteur der Technik-Zeitschrift Wired

Chris Anderson war jahrelang einer der bekanntesten Technik-Begeisterten der USA und führte damals ein Robotik- und Drohnen-Unternehmen. Im Oktober 2018 sagte er der New York Times über Bildschirme: „Auf der Skala zwischen Süßigkeiten und Crack ist es näher an Crack.“ Und weiter: „Wir dachten, wir könnten es kontrollieren. Aber das übersteigt unsere Macht. Das geht direkt in die Lustzentren des sich entwickelnden Gehirns.“

Für seine fünf Kinder hat er zwölf Regeln aufgestellt: kein Handy vor dem Sommer, bevor die amerikanische Highschool beginnt, also mit etwa 14, keine Bildschirme im Schlafzimmer, keine sozialen Netzwerke unter 13 Jahren, überhaupt keine iPads und feste Bildschirmzeiten, die er über das WLAN von seinem Handy aus steuert. Und er sagte etwas sehr Ehrliches: „Wir haben in den Abgrund der Sucht geblickt, und es gab ein paar verlorene Jahre, die uns leidtun.“

14. Athena Chavarria, früher bei Facebook

Athena Chavarria hat als Assistentin der Geschäftsleitung bei Facebook gearbeitet und danach für die Stiftung von Mark Zuckerberg. 2018 sagte sie der New York Times: „Ich bin überzeugt, dass der Teufel in unseren Handys wohnt und bei unseren Kindern Verwüstung anrichtet.“ Ihre Kinder bekamen erst mit der Highschool ein Handy, ihre Tochter erst in der neunten Klasse. Ihr Leitsatz: Das letzte Kind in der Klasse, das ein Handy bekommt, hat gewonnen.

Im selben Artikel berichtet die New York Times, dass Familien im Silicon Valley ihre Kindermädchen inzwischen Verträge unterschreiben lassen, die ihnen das Handy verbieten.

15. Hunter Walk, viele Jahre Produktchef bei YouTube

Als die New York Times ihn fragte, wie er die Bildschirmzeit seiner Kinder begrenzt, schickte er als Antwort das Foto eines Kinder-Töpfchens mit einer eingebauten iPad-Halterung. Dazu schrieb er: „Hashtag: Produkte, die wir nicht gekauft haben.“

16. Die Schule ohne Bildschirme mitten im Silicon Valley

Schon 2011 berichtete die New York Times über die Waldorfschule in Los Altos, mitten im Silicon Valley. Dort gibt es keine Computer und keine Bildschirme im Unterricht, gelernt wird mit Stift und Papier, mit Stricknadeln und manchmal auch mit Matsch. Und wer schickt seine Kinder dorthin? Der Technik-Chef von eBay und Mitarbeiter von Google, Apple, Yahoo und Hewlett-Packard. Bei drei Vierteln der Schüler haben die Eltern einen starken beruflichen Bezug zur Technik.

Ein Vater, der bei Google arbeitet, sagte damals: „Die Vorstellung, dass eine App auf einem iPad meinen Kindern besser Lesen oder Rechnen beibringen kann, ist lächerlich.“

17. Die Lebensmittelmanager, die ihre eigenen Produkte nicht essen

Beim Essen ist es genauso. Der Journalist Michael Moss hat für sein Buch „Das Salz-Zucker-Fett-Komplott“ jahrelang in der Lebensmittelindustrie recherchiert, mit internen Unterlagen und vielen Gesprächen mit Insidern. Auf die Frage, was ihn am meisten schockiert hat, sagte er 2013: wie viele der Manager, die er getroffen hat, ihre eigenen Lebensmittel nicht essen.

Ein Beispiel ist Robert Lin, von 1974 bis 1982 leitender Wissenschaftler beim Chips-Hersteller Frito-Lay, zu dem Marken wie Lay’s und Doritos gehören. Er hatte die Firma schon Ende der 1970er Jahre gedrängt, weniger Salz zu verwenden, und ist damit gescheitert. Als Moss ihn Jahrzehnte später besuchte und sie zusammen seine alten Unterlagen durchgingen, sagte Lin: „Ich konnte nicht viel dagegen tun. Die Menschen tun mir so leid.“

Wie gut die Firma ihre Kunden kannte, zeigt ein Bericht, den ein Psychologe schon 1957 für Frito-Lay geschrieben hat. Darin listet er auf, was die Leute an Kartoffelchips stört: Man kann nicht aufhören, sie zu essen, sie machen dick, sie sind nicht gut für einen, und sie sind schlecht für Kinder. Sein Rat an die Firma war unter anderem, nicht mehr von „frittiert“ zu sprechen, sondern von „geröstet“.

Moss erklärt auch, wie die Industrie arbeitet: Sie steckt riesigen Aufwand hinein, für Zucker, Fett und Salz jeweils genau den Punkt zu finden, an dem uns ein Produkt am besten schmeckt. Und er erzählte, dass Leute aus der Branche, sobald sie selbst gesundheitliche Probleme bekommen, als Erstes die Kalorien aus allem streichen, was sie trinken.

18. Jeffrey Dunn, früher einer der mächtigsten Manager von Coca-Cola

Jeffrey Dunn war 2001 bei Coca-Cola Präsident für Nord- und Südamerika und damit für mehr als die Hälfte des Umsatzes verantwortlich. Damals drängte der Konzern mit kleinen, billigen Flaschen in die Armenviertel Brasiliens. Bei einem Besuch dort, so erzählte Dunn es Michael Moss, hörte er eine Stimme in seinem Kopf: „Diese Menschen brauchen vieles, aber sie brauchen keine Cola.“ Und weiter: „Mir wurde fast schlecht.“

Zurück in der Zentrale setzte er sich unter anderem dafür ein, dass Coca-Cola an öffentlichen Schulen nicht mehr beworben wird. Ein Abfüller forderte daraufhin in einem Brief an die Konzernspitze seine Entlassung, und im Februar 2004 wurde Dunn tatsächlich entlassen. Einer seiner früheren Mitarbeiter, Todd Putman, hat das Ziel der Marketingabteilung damals sinngemäß so zusammengefasst: Wie bekommen wir mehr davon in mehr Körper, und das öfter?

19. Die McDonald’s-Seite für die eigenen Mitarbeiter

Im Dezember 2013 stand auf einer internen Internetseite, die McDonald’s für seine Mitarbeiter betrieb, ein Ratgeber zum Thema Fast Food. Darauf war ein Burger mit Pommes und Cola zu sehen, darunter stand „ungesunde Wahl“. Daneben ein Sandwich, ein Salat und Wasser mit der Überschrift „gesündere Wahl“. Im Text hieß es, Fast Food habe typischerweise viele Kalorien, viel Fett, viel gesättigtes Fett, viel Zucker und viel Salz und könne zu Übergewicht führen.

Nachdem Medien darüber berichtet hatten, nahm McDonald’s die ganze Seite vom Netz. Der Konzern erklärte, Inhalte seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Für die eigenen Mitarbeiter stand es aber genau so da.

Was sie wissen, das wir nicht wissen

Stell dir vor, du gehst in ein Restaurant, und der Koch isst selbst nie etwas von dem, was er dir serviert. Seinen eigenen Kindern kocht er zu Hause etwas ganz anderes. Würdest du da noch bestellen?

Genau so ist es mit all diesen Fällen. Wenn man sie nebeneinanderlegt, sieht man, dass es immer um dieselben paar Dinge geht. Die Menschen, die diese Produkte gebaut haben, kennen sie von innen. Sie wissen, wofür sie gemacht sind.

Die Aufmerksamkeit

Steve Chen hat es auf den Punkt gebracht: kürzere Inhalte, kürzere Aufmerksamkeit. Inzwischen gibt es dazu eine große Auswertung. Forscher der Griffith University in Australien haben 2025 in der Fachzeitschrift Psychological Bulletin 71 Studien mit zusammen rund 98.000 Teilnehmern zusammengefasst. Ihr Ergebnis: Je mehr Kurzvideos jemand schaut, desto schlechter schneiden Aufmerksamkeit und Impulskontrolle ab, also die Fähigkeit, sich zu konzentrieren und einem Reiz nicht sofort nachzugeben. Das galt für Kinder und Jugendliche genauso wie für Erwachsene, und auch Stress und Ängstlichkeit waren höher.

Das Belohnungssystem

Sean Parker und Chamath Palihapitiya haben beide dasselbe Wort benutzt: Dopamin. Dopamin ist ein Botenstoff in deinem Gehirn, der dich etwas wollen lässt. Er sorgt dafür, dass du nach etwas Schönem gleich das nächste Schöne suchst. Genau deshalb wirkt das Herunterziehen zum Aktualisieren wie ein Spielautomat: Manchmal kommt etwas Tolles, manchmal nicht, und gerade diese Ungewissheit lässt einen immer wieder ziehen.

Wie stark das bei Jugendlichen wirkt, hat die Universität von Kalifornien in Los Angeles 2016 im Hirnscanner gezeigt. Jugendliche sahen dort Fotos, die wie bei Instagram viele oder wenige Likes hatten. Bei Fotos mit vielen Likes wurde ihr Belohnungszentrum im Gehirn stärker aktiv. Und sie fanden genau diese Fotos auch selbst besser, sogar dann, wenn darauf Rauchen oder Trinken zu sehen war.

Der Schlaf

Bill Gates hat die Bildschirme abends abgeschaltet, damit seine Kinder rechtzeitig einschlafen. Dafür gibt es einen guten Grund. Forscher aus Harvard haben 2015 verglichen, was passiert, wenn man abends auf einem leuchtenden Bildschirm liest statt in einem gedruckten Buch. Mit Bildschirm brauchten die Teilnehmer länger zum Einschlafen, ihr Körper bildete weniger Melatonin, also das Hormon, das dich müde macht, ihre innere Uhr verschob sich nach hinten, und am nächsten Morgen waren sie weniger wach.

Kinder sind besonders empfänglich

Chris Anderson hat es so gesagt: Das geht direkt in die Lustzentren des sich entwickelnden Gehirns. Ein Kindergehirn ist noch im Aufbau, und die Fähigkeit, sich selbst zu bremsen, reift als Letztes. Was das bei uns in Deutschland bedeutet, zeigt die Suchtstudie der Krankenkasse DAK mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf vom März 2026: 21,5 Prozent der 10- bis 17-Jährigen nutzen soziale Medien riskant, weitere 6,6 Prozent gelten als süchtig. Das ist mehr als jedes vierte Kind in diesem Alter, hochgerechnet rund 1,5 Millionen junge Menschen.

Beim Essen: hochverarbeitete Lebensmittel

Was für Apps gilt, gilt auch für das, was auf unseren Tellern landet. Hochverarbeitete Lebensmittel sind Produkte, die aus vielen industriell gewonnenen Zutaten zusammengesetzt sind, oft mit Zusatzstoffen, die du in deiner eigenen Küche nie verwenden würdest. Fertiggerichte, Fast Food, viele Snacks und süße Getränke gehören dazu.

Der Forscher Kevin Hall von den amerikanischen Gesundheitsinstituten hat 2019 etwas Erstaunliches gezeigt. 20 Erwachsene lebten vier Wochen lang in einer Klinik und bekamen zwei Wochen lang hochverarbeitetes Essen und zwei Wochen lang unverarbeitetes. Beide Kostformen hatten gleich viel Zucker, Fett, Salz und Ballaststoffe, und alle durften essen, so viel sie wollten. Mit dem hochverarbeiteten Essen aßen sie rund 500 Kalorien mehr am Tag und nahmen in zwei Wochen fast ein Kilo zu. Mit dem unverarbeiteten Essen nahmen sie fast ein Kilo ab.

Und 2024 hat eine große Übersichtsarbeit im British Medical Journal die Daten von fast zehn Millionen Menschen ausgewertet. Hochverarbeitete Lebensmittel hingen dort mit 32 verschiedenen gesundheitlichen Folgen zusammen, von Herz und Kreislauf über Stoffwechsel und Verdauung bis zur Psyche.

Genau das ist der Grund, warum die Leute, die solche Produkte entwickeln, sie bei sich zu Hause oft nicht auf den Tisch stellen.

Meine Liste: Was du zu Hause selbst tun kannst

Das Gute ist: Du musst kein Milliardär sein, um es so zu machen wie sie. Das meiste kostet nichts, nur ein bisschen Entschlossenheit.

1. Das erste eigene Smartphone so spät wie möglich

Bill Gates hat bis 14 gewartet, Chris Anderson und Athena Chavarria bis zur Highschool, also ebenfalls bis etwa 14. Am schwersten ist das, wenn alle anderen in der Klasse schon eins haben. Deshalb hilft es sehr, sich mit anderen Eltern abzusprechen. In Deutschland gibt es dafür die Elterninitiative Smarter Start, bei der sich Eltern an Schulen zusammentun und gemeinsam mit dem Smartphone warten.

2. Keine Handys am Esstisch

Bei Bill Gates gab es keine Handys beim Essen, bei Steve Jobs wurde am langen Küchentisch über Bücher und Geschichte geredet. Mach den Esstisch bei dir zu Hause zu einem Ort ohne Bildschirm, und zwar für alle, auch für die Erwachsenen.

3. Abends einen festen Bildschirmschluss und keine Geräte im Schlafzimmer

Leg eine feste Uhrzeit fest, ab der alle Bildschirme aus sind, so wie bei Gates. Handy, Tablet und Fernseher gehören nicht ins Schlafzimmer, das ist auch eine der zwölf Regeln von Chris Anderson. Am einfachsten ist ein fester Ladeplatz für alle Handys im Flur oder in der Küche.

4. Kurzvideos so lange wie möglich draußen lassen

Steve Chen hat es gesagt: Wenn Kinder nicht gleich mit Kurzvideos in Berührung kommen, sind sie mit anderen Inhalten zufrieden. Wenn dein Kind etwas schaut, dann lieber einen ganzen Film oder eine längere Sendung als endlos gewischte Clips.

5. Erklär deinem Kind, wie diese Apps gemacht sind

Der Risikokapitalgeber John Lilly, früher Chef der Firma Mozilla, sagt zu seinem Sohn: „Jemand hat Code geschrieben, damit du dich so fühlst.“ Kinder, die verstehen, dass hinter dem Sog Absicht steckt, gehen anders damit um. Zeig ihnen gern diesen Artikel.

6. Schütz dich selbst mit

Justin Rosenstein hat sich auf seinem eigenen Handy eine Kindersicherung einrichten lassen. Das kannst du auch: Schalte Benachrichtigungen aus, die du nicht wirklich brauchst, und nutze die Bildschirmzeit-Funktion deines Handys für dich selbst. Kinder machen sowieso das nach, was wir tun, nicht das, was wir sagen.

7. Beim Essen: selbst kochen und die Zutatenliste lesen

Je mehr du selbst aus frischen Zutaten kochst, desto weniger hochverarbeitete Produkte landen auf deinem Tisch. Und wenn du etwas Fertiges kaufst, dreh die Packung um. Stehen auf der Zutatenliste viele Dinge, die du in deiner eigenen Küche nie hättest, ist es ein hochverarbeitetes Produkt. Und das Wichtigste: Esst zusammen, am Tisch und ohne Bildschirm.

Was dein Körper damit zu tun hat

Beim Essen kommt noch etwas dazu, worüber kaum jemand spricht. Forscher der George Washington University haben 2021 Gerichte von großen Fast-Food-Ketten in den USA ins Labor geschickt, darunter McDonald’s und Burger King. In 81 Prozent der Proben fanden sie den Weichmacher DnBP, in 70 Prozent den Weichmacher DEHP. In jedem einzelnen untersuchten Burger waren beide drin. Als mögliche Quellen nannten die Forscher Handschuhe, Verpackungen und die Maschinen der Verarbeitung.

Diese beiden Weichmacher stehen bei der Europäischen Chemikalienagentur auf der Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe, unter anderem, weil sie in unser Hormonsystem eingreifen können. Solche Stoffe muss dein Körper über Leber, Niere und Darm wieder loswerden, zusammen mit allem anderen, was der Alltag so mitbringt.

Wie stark dein Körper gerade mit Schadstoffen belastet ist, kannst du in meinem Gratis-Test herausfinden. Es dauert nur ein paar Minuten, und am Ende bekommst du deine persönliche Auswertung.

Wenn du mehr über solche Dinge wissen möchtest

Kommentier unter meinem Beitrag einfach das Wort SAMMLUNG, dann schicke ich dir alles zu.

Und teil das mit allen Eltern und Großeltern, die du kennst.

Von Herzen,
deine Ayse

Quellen zum Nachlesen

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