Warum spricht eigentlich keiner darüber, dass hinter kernlosen Wassermelonen Konzerne wie Bayer oder Syngenta stecken?
Wassermelone gehört für viele einfach zum Sommer dazu. Aber was die wenigsten wissen, ist, wie die kernlose Melone überhaupt entsteht. In diesem Beitrag möchte ich mit dir über ein paar Dinge sprechen, die den wenigsten bewusst sind. Und am Ende bekommst du meine Liste mit den Dingen, auf die du im Alltag unbedingt achten solltest.
Aus einer kernlosen Melone wächst keine neue
Was die meisten nicht wissen: Aus einer kernlosen Wassermelone kannst du keinen einzigen Samen gewinnen. Es gibt keinen Kern, den du aufheben und im nächsten Frühjahr in die Erde stecken könntest.
Der Grund liegt in den Chromosomen, also den Trägern der Erbinformation in jeder Zelle. Eine normale Wassermelone hat zwei Chromosomensätze, das sind 22 Chromosomen. Eine kernlose Wassermelone hat drei Sätze, also 33. Und drei lässt sich nicht gleichmäßig teilen. Deshalb kann die Pflanze von sich aus keine Samen bilden.
Die kleinen weißen Hüllen, die du beim Essen manchmal findest, sind übrigens keine richtigen Kerne. Das sind leere Samenhüllen, die nie ausgereift sind.
Die Mutterpflanze wird mit einem Gift verändert
Um so eine Melone zu bekommen, braucht man zuerst eine Melone mit vier Chromosomensätzen, also mit 44 Chromosomen. Die wird gezielt erzeugt, und zwar mit einer Chemikalie namens Colchicin.
Colchicin ist das Gift einer Blume: Die Herbstzeitlose blüht im Herbst auf feuchten Wiesen, und die ganze Pflanze ist hochgiftig. Schon etwa 20 Milligramm Colchicin können für einen Menschen tödlich sein. In der Medizin wird es in winzigen Mengen gegen Gicht eingesetzt.
In der Pflanzenzucht nutzt man Colchicin, weil es die Zellteilung durcheinanderbringt. Die Zelle verdoppelt ihre Chromosomen, teilt sich danach aber nicht in zwei neue Zellen auf. So entstehen Pflanzen mit doppelt so vielen Chromosomensätzen. Solche Pflanzen werden oft größer und kräftiger, mit größeren Blättern, Blüten und Früchten. Bei der Melone ist genau diese veränderte Pflanze die Mutter der kernlosen Variante.
Die Mutterpflanze mit 44 Chromosomen wird dann mit einer normalen Melone mit 22 Chromosomen gekreuzt. Heraus kommt ein Samen mit 33 Chromosomen. Aus diesem Samen wächst die Pflanze, die später die kernlose Melone trägt. Und weil diese Melone selbst keine Samen mehr bildet, muss dieser Weg jedes Jahr von vorne gegangen werden.
Ohne normale Melonen auf dem Feld geht es nicht
Die kernlose Pflanze kann sich nicht selbst bestäuben, ihr eigener Blütenstaub ist unfruchtbar. Deshalb muss der Bauer jedes Jahr normale Melonen mit Kernen direkt neben die kernlosen pflanzen. Üblich ist ungefähr eine normale Pflanze auf zwei bis drei kernlose Pflanzen. Erst wenn Bienen den Blütenstaub der normalen Melone zur kernlosen Pflanze tragen, setzt sie Früchte an.
Erst dadurch entstehen am Ende die kernlosen Melonen, die wir im Supermarkt kaufen.
Das Saatgut kommt jedes Jahr neu vom Konzern
Weil die kernlose Melone keine Samen bildet, kann kein Bauer eigenes Saatgut aus seiner Ernte zurücklegen. Er muss es jedes Jahr neu kaufen. Und dieses Saatgut ist teuer, denn für seine Herstellung müssen die Mutterpflanzen gezielt mit dem Blütenstaub der Vaterpflanzen bestäubt werden, teils sogar von Hand. In den USA kostet ein einzelnes Samenkorn einer kernlosen Sorte 20 bis 30 Cent.
Zu den größten Anbietern dieses Saatguts gehören Syngenta und Bayer. Syngenta verkauft zum Beispiel die kernlose Sorte „Fascination“. Bayer züchtet über seine Gemüsesaatgut-Marke Seminis eigene kernlose Sorten.
Bayer kennst du wahrscheinlich von Aspirin. Der Konzern verkauft aber auch Saatgut und Pflanzenschutzmittel, und spätestens seit er 2018 Monsanto übernommen hat, gehört er zu den Größten der Welt in diesem Geschäft. Syngenta ist ein Agrarchemie- und Saatgutkonzern und gehört heute zum chinesischen Staatskonzern Sinochem.
In den USA sind laut dem dortigen Wassermelonen-Verband inzwischen rund 92 Prozent aller verkauften Wassermelonen kernlos. Die Melone mit Kernen ist dort aus den Supermärkten fast verschwunden.
Wer die Saat hat, hat das Sagen
Die kernlose Melone ist nur ein Beispiel dafür, wie große Firmen immer mehr Einfluss auf unsere Ernährung nehmen. Seit Bayer Monsanto übernommen hat, beherrschen laut Heinrich-Böll-Stiftung drei Konzerne zusammen über 60 Prozent des weltweiten Marktes für kommerzielles Saatgut und Agrarchemikalien. Bayer allein hält rund ein Drittel des weltweiten Marktes für kommerzielles Saatgut.
Das heißt, dieselben Konzerne, die das Saatgut verkaufen, verkaufen oft auch die Spritzmittel, die später auf den Feldern landen. Und jede Sorte, die man nicht selbst vermehren kann, bindet den Bauern ein Stück fester an seinen Lieferanten.
Ich habe schon häufiger über solche Sachen aufgeklärt. Und weil du wissen wolltest, worauf du im Alltag achten kannst, kommt hier meine Liste.
Meine Liste: Darauf solltest du im Alltag achten
1. Greif zur Wassermelone mit Kernen
Frag auf dem Wochenmarkt oder im Bioladen gezielt nach Wassermelonen mit Kernen. Die schwarzen Kerne kannst du übrigens einfach mitessen oder in der Pfanne rösten und knabbern.
2. Bei Bananen lieber Bio
Auch die Banane aus dem Supermarkt hat keine Samen. Fast alle Bananen, die in Europa und Nordamerika verkauft werden, gehören zu einer einzigen Sorte, der Cavendish. Sie wird nicht aus Samen gezogen, sondern über Ableger vermehrt. Jede dieser Bananen ist also ein Klon der anderen.
Eine Plantage, auf der genetisch alles gleich ist, ist sehr anfällig für Pilzkrankheiten. Gegen einen einzigen Pilz, die Schwarze Sigatoka, wird auf Plantagen teils 50-mal oder häufiger im Jahr gespritzt. Bio-Bananen werden ohne chemisch-synthetische Spritzmittel angebaut, deshalb kaufe ich Bananen nur noch in Bio-Qualität.
3. Kernlose Trauben gründlich waschen
Kernlose Tafeltrauben bilden von sich aus oft nur kleine Beeren, weil ihnen ein Wachstumshormon fehlt, das normalerweise in den Kernen entsteht. Damit sie trotzdem groß und prall im Regal liegen, werden sie während des Wachstums häufig mehrmals mit künstlich hergestellten Pflanzenhormonen besprüht, meist mit sogenannten Gibberellinen. Ich greife deshalb gern zu Trauben mit Kernen und wasche Trauben immer gründlich.
4. Bei Zitronen und Orangen aufs Etikett schauen
Viele Zitrusfrüchte werden nach der Ernte mit Mitteln wie Imazalil oder Thiabendazol behandelt, damit sie auf dem langen Transport nicht schimmeln. Imazalil gilt dabei als gesundheitsschädlich. Steht auf der Packung oder am Preisschild „konserviert“ oder „gewachst“, wurde die Schale behandelt.
Und lass dich von dem Wort „unbehandelt“ nicht täuschen. Es heißt nur, dass die Schale nach der Ernte nicht behandelt wurde. Gespritzt werden durfte vorher trotzdem. Wenn ich die Schale zum Backen oder für Tee verwende, nehme ich deshalb nur Bio-Zitronen.
5. Im Garten samenfeste Sorten säen
Wenn du auf dem Balkon oder im Garten etwas anbaust, schau dir die Samentüte genau an. Steht dort „F1“, ist das eine Hybridsorte. Aus ihren Samen wachsen im nächsten Jahr keine gleichen Pflanzen mehr, du musst also jedes Jahr neu kaufen. Genau dieses Prinzip steckt auch hinter der kernlosen Melone.
Samenfeste Sorten dagegen kannst du immer wieder selbst vermehren. Es gibt kleine Bio-Saatgutfirmen, die sich genau darauf spezialisiert haben.
6. Saisonal und regional einkaufen
Je kürzer der Weg vom Feld zu dir ist, desto weniger muss eine Frucht auf lange Haltbarkeit und weite Transporte getrimmt werden. Auf dem Wochenmarkt, im Hofladen oder bei einer solidarischen Landwirtschaft findest du oft noch Sorten, die es im Supermarkt längst nicht mehr gibt. Und du kannst direkt fragen, wie angebaut wurde.
Was dein Körper damit zu tun hat
Neben dem, was du einkaufst, zählt auch, wie gut dein Körper mit den Stoffen umgehen kann, die trotzdem bei ihm ankommen. Spritzmittel, Schalenbehandlungen und andere Belastungen aus dem Alltag muss er nämlich über Leber, Niere und Darm wieder loswerden.
Wie du ihn dabei im Alltag unterstützen kannst, zeige ich dir in meinem kostenlosen Training zum Thema Entgiftung. Dort geht es darum, die Zusammenhänge zu verstehen und deinem Körper mit einfachen Schritten die Arbeit zu erleichtern.
Wenn du mehr über solche Dinge wissen möchtest
Kommentier unter meinen Reels einfach das Wort LISTE, dann schicke ich dir alles zu.
Und teil das mit jedem, der gerne Wassermelone isst.
Von Herzen,
deine Ayse
Quellen zum Nachlesen
- Lubera Gartenbuch: Kernlose Wassermelonen (Chromosomen, Colchicin)
- National Watermelon Promotion Board: Where does seedless watermelon come from?
- University of Georgia: Commercial Watermelon Production (Saatgutpreis, Bestäuber)
- US-Patent 7071374: Method for producing triploid, seedless watermelon
- Lernhelfer: Herbstzeitlose, Colchicin
- Syngenta Vegetables: Fascination
- Bayer Vegetables: Developing Seedless Watermelon Varieties
- Heinrich-Böll-Stiftung: Aus Sieben werden Vier
- The Conversation: The familiar Cavendish banana in danger
- PMC: Banana Black Sigatoka Pathogen – Combating a Global Threat to a Clonal Crop
- LVWO Weinsberg: Steigerung der Beerengröße bei Tafeltrauben
- VerbraucherService Bayern: Schalenbehandlung von Zitrusfrüchten
- F1-Hybride und samenfeste Sorten: der Unterschied