Vielleicht kennst du diesen Blick morgens in den Spiegel: Das Gesicht wirkt aufgedunsen, die Augen sind geschwollen, und der ganze Körper fühlt sich schwerer an als am Abend zuvor. Man könnte denken, das sei einfach eine schlechte Nacht oder gehöre eben dazu.
Aber was die wenigsten wissen, ist, dass dahinter Wasser stecken kann, das nicht richtig abfließt. Deine Lymphe ist nämlich der Abfluss deines Körpers. Sie sammelt Flüssigkeit aus dem Gewebe ein, transportiert Abfallstoffe weiter und bewegt wichtige Immunzellen durch den Körper.
In diesem Beitrag möchte ich mit dir über ein paar Dinge sprechen, die den wenigsten bewusst sind: warum deine Lymphe keine eigene große Pumpe hat, weshalb jede gute Routine am Hals beginnt und wie du sie morgens in nur drei Minuten in Bewegung bringst.
Der Abfluss deines Körpers hat kein Herz
Dein Blut hat das Herz, das es ununterbrochen durch den Körper pumpt. Das Lymphsystem hat kein solches Herz. Trotzdem müssen jeden Tag etwa zwei bis drei Liter Lymphe zurück ins Blut gelangen. Diese Flüssigkeit besteht zu über 90 Prozent aus Wasser.
Bewegt wird sie vor allem durch die Muskelpumpe. Das heißt ganz einfach: Jedes Mal, wenn sich ein Muskel anspannt, drückt er die feinen Lymphgefäße in seiner Umgebung sanft zusammen und schiebt den Inhalt weiter. Auch das Pulsieren benachbarter Arterien hilft dabei, und winzige Muskelringe in den Lymphgefäßen ziehen sich langsam von selbst zusammen.
Eine zweite große Hilfe ist deine Atmung. Wenn du tief in den Bauch atmest, bewegt sich dein Zwerchfell und verändert den Druck im Brustkorb. Dadurch wird die große Sammelbahn der Lymphe geleert. Diese Bahn heißt Ductus thoracicus; du kannst sie dir wie das Hauptrohr vorstellen, in dem die Flüssigkeit aus weiten Teilen des Körpers zusammenkommt.
Das erklärt auch, warum langes Sitzen einen Unterschied macht. Wenn die Muskeln kaum arbeiten und die Atmung flach bleibt, fehlt ein großer Teil der Bewegung, die den Abfluss antreibt. Viel Salz, Alkohol, wenig Trinken und wenig Schlaf können zusätzlich dazu beitragen, dass dein Körper Wasser festhält. Dann fühlst du die Folge: schwere Beine, Schwellungen und ein Gesicht, das morgens weniger definiert aussieht.
Warum du niemals bei den Beinen beginnst
Die Lymphe mündet hinter deinen Schlüsselbeinen wieder ins Blut. Diese Stelle wird in der Lymphdrainage Terminus genannt, also Endstation. Genau dort muss die Flüssigkeit am Ende ankommen.
Deshalb beginnt eine fachliche Lymphdrainage nicht an den Füßen und auch nicht im geschwollenen Gesicht. Sie beginnt am Hals. Erst wird der Abfluss hinter den Schlüsselbeinen sanft vorbereitet, danach wird die Flüssigkeit von weiter außen in diese Richtung bewegt. Es wäre wenig sinnvoll, unten nachzuschieben, wenn oben noch alles eng ist.
Dass sich Lymphe überhaupt von außen bewegen lässt, ist keine neue Mode aus dem Internet. Die manuelle Lymphdrainage wurde in den 1930er Jahren von Emil Vodder entwickelt. Sie ist in Deutschland eine anerkannte Therapie und wird als Heilmittel unter der Abkürzung MLD verordnet.
Das Entscheidende an ihren Griffen ist ihre Sanftheit. Lymphgefäße liegen direkt unter der Haut. Deshalb wird die Haut nur leicht verschoben, nicht geknetet und nicht mit Kraft gedrückt. Bei der folgenden Routine gilt also immer: leicht wie ein Hauch.
Deine Drei-Minuten-Lymph-Routine am Morgen
Du brauchst dafür kein Trampolin, keine Bürste und kein Öl. Nur drei Minuten und anschließend ein großes Glas Wasser. Am besten machst du die Routine direkt nach dem Aufstehen, bevor der Tag dich wieder in Beschlag nimmt.
1. 30 Sekunden: tief in den Bauch atmen

Setz dich hin oder bleib noch einen Moment liegen. Lege eine Hand auf den Bauch und atme zehnmal tief durch die Nase ein. Der Bauch hebt sich unter deiner Hand. Dann atmest du langsam wieder aus.
Das Zwerchfell ist die größte Lymphpumpe in deinem Körper. Mit jedem tiefen Atemzug entsteht im Brustkorb ein Druckwechsel, der die große Sammelbahn beim Leeren unterstützt.
2. 30 Sekunden: den Abfluss hinter den Schlüsselbeinen öffnen

Lege die flachen Finger in die kleinen Gruben direkt oberhalb deiner Schlüsselbeine. Schiebe die Haut auf beiden Seiten zehnmal ganz sanft in Richtung Körpermitte.
Drücke nicht in die Tiefe. Es geht nur um eine leichte Hautverschiebung, weil die feinen Lymphgefäße direkt darunter liegen. Damit beginnst du genau an der Stelle, an der die Lymphe wieder in den Blutkreislauf mündet.
3. 30 Sekunden: den Hals ausstreichen

Lege deine flachen Hände hinter die Ohren. Streiche von dort zehnmal sanft am Hals entlang nach unten zu den Schlüsselbeinen.
Bleib auch hier ganz leicht. Du schiebst die Haut in Richtung des bereits vorbereiteten Abflusses und arbeitest damit in derselben Reihenfolge wie bei einer fachlichen Lymphdrainage.
4. 30 Sekunden: das Gesicht entstauen

Streiche fünfmal von der Nasenmitte über die Wangen in Richtung Ohren und danach am Hals hinunter zu den Schlüsselbeinen. Anschließend streichst du fünfmal von der Stirnmitte zu den Schläfen.
Die Berührung soll sich eher wie ein Hauch anfühlen als wie eine Massage. Mehr Druck macht diesen Griff nicht besser, weil du die Haut bewegen willst und nicht die Muskeln darunter knetest.
5. 60 Sekunden: auf den Fußballen federn

Steh auf, geh auf die Fußballen und lass deine Fersen eine Minute lang locker auf und ab wippen. Dabei arbeitet die Wadenmuskelpumpe. Deine Waden spannen sich rhythmisch an und helfen dadurch, Blut und Lymphe aus den Beinen nach oben zu bewegen.
Das Prinzip kennt man aus einer NASA-Studie von 1980: Beim Hüpfen auf einem Minitrampolin wirkte bei gleicher Anstrengung mehr Beschleunigungskraft auf den Körper als beim Laufen. Genau diese wechselnde Belastung nutzt du beim Federn auch, nur ohne Trampolin und ohne irgendein anderes Hilfsmittel.
6. Danach: ein großes Glas Wasser

Trink nach der Routine ein großes Glas Wasser. Lymphe besteht zu über 90 Prozent aus Wasser, und was weiterfließen soll, muss auch nachkommen.
Die Wirkung baut sich über die Woche auf, wenn du die drei Minuten wirklich jeden Morgen machst.
Was du darüber hinaus tun kannst
Dein Lymphsystem mag Bewegung. Schon weil jeder arbeitende Muskel beim Weitertransport hilft, ist langes unbewegliches Sitzen das Gegenteil von dem, was dieser Abfluss braucht. Auch tiefes Atmen ist nicht nur Entspannung, sondern ein ganz handfester Druckwechsel im Körper.
In der Naturheilkunde gehören außerdem Trockenbürsten in Richtung Herz und Wechselduschen nach Kneipp zu den traditionellen Anwendungen. Sie ersetzen die Reihenfolge der Routine nicht: Erst kommt der Abfluss am Hals, dann wird von außen nachgeschoben.
Die Lymphe transportiert – andere Organe übernehmen danach
Die Lymphe ist ein Transportweg. Sie nimmt Flüssigkeit und Abfallstoffe aus dem Gewebe auf und bringt sie weiter. Loswerden muss der Körper diese Stoffe danach über Leber, Niere und Darm.
Wie du genau diesen Weg im Alltag entlasten kannst, zeige ich dir in meinem kostenlosen Workshop zum Thema Entgiftung. Dort geht es darum, die Zusammenhänge zu verstehen und deinem Körper mit einfachen Schritten die Arbeit zu erleichtern.
Wenn du die Routine griffbereit haben möchtest
Kommentier unter dem Reel einfach das Wort Lymphe, dann schicke ich dir alles zu.
Und teil das mit jemandem, der morgens mit einem geschwollenen Gesicht aufwacht.
Von Herzen,
deine Ayse