Es ist der Griff, der sich am meisten nach Vernunft anfühlt. Du stehst nach der Arbeit im Supermarkt, du bist müde, du willst nichts Schweres. Und da liegt sie: die Tüte mit dem gemischten Blattsalat. Gewaschen, verzehrfertig, grün.
Ich habe das jahrelang genauso gemacht. Und dann habe ich gelesen, was dabei herauskommt, wenn man solche Tüten ins Labor gibt.
In diesem Beitrag möchte ich mit dir durchgehen, was dort tatsächlich gefunden wurde — und vor allem, warum ausgerechnet die Tüte das Problem ist und nicht der Salat.
Der Test
27 Fertigsalate wurden gekauft, ganz normale Ware aus dem Supermarkt, und untersucht: auf Keime, auf Schimmelpilze und Hefen, auf Pestizidrückstände und auf zwei Stoffe namens Chlorat und Perchlorat.
Das Gesamtergebnis in einem Satz: Von 27 Proben schnitt genau eine mit „gut“ ab.
Und jetzt die Einzelheiten, denn die sind es, die den Unterschied machen.
Die Keime
18 der 27 Tüten lagen über dem Richtwert der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie. Das sind zwei von drei. In mehreren Proben fanden sich zusätzlich Schimmelpilze und Hefen. Und in einem Teil ging es um Keime, die auf fäkale Verunreinigung hindeuten.
Auf der Packung steht „gewaschen“. Auf der Packung steht „verzehrfertig“. Und bei zwei von drei Tüten hielt dieses Versprechen dem Labor nicht stand.
Die Pestizide
Obwohl die Blätter im Werk mehrfach gewaschen worden waren, fanden sich Spuren von bis zu acht verschiedenen Pestiziden auf einer einzigen Probe.
Zwei Namen tauchten besonders oft auf. In neun Tüten das Insektengift Cypermethrin. In sieben Packungen das Pilzgift Iprodion — ein Stoff, der im Verdacht steht, Krebs zu erregen, und der in der EU inzwischen keine Zulassung mehr hat.
Das Waschen im Werk holt also nicht heraus, was die meisten Menschen glauben, dass es herausholt.
Chlorat und Perchlorat
Das ist der Teil, über den am wenigsten gesprochen wird, und für mich der wichtigste. 16 der Proben enthielten Chlorat oder Perchlorat.
Diese beiden Stoffe machen etwas Bestimmtes: Sie blockieren vorübergehend die Jodaufnahme in der Schilddrüse. Deine Schilddrüse braucht Jod, um die Hormone herzustellen, die deinen ganzen Stoffwechsel takten — wie warm dir ist, wie viel Energie du hast, wie schnell dein Herz schlägt. Wenn der Jod-Nachschub gebremst wird, bremst du damit die Schaltzentrale deines Stoffwechsels aus. Für Kinder, für Schwangere und für alle, deren Schilddrüse ohnehin schon zu langsam läuft, ist das genau das, was man nicht gebrauchen kann.
Und jetzt kommt die Stelle, an der ich beim Lesen innegehalten habe. Woher kommt dieses Chlorat eigentlich?
Zum Teil aus der Landwirtschaft. Aber zu einem erheblichen Teil aus dem Waschen selbst. Manche Betriebe setzen dem Waschwasser Chlor oder Chlordioxid zu, um die Keimzahl zu drücken. Und genau dieser Arbeitsschritt ist eine weitere Quelle für Chlorat und Perchlorat.
Lies das noch einmal in Ruhe: Der Schritt, für den du bezahlst — das Waschen — ist mit ein Grund, warum der Stoff drin ist.
Warum ausgerechnet die Tüte
Jetzt fragst du dich vielleicht, warum ein Kopfsalat, der auf demselben Feld gewachsen ist, dieses Problem nicht in diesem Ausmaß hat. Und die Antwort ist so einfach, dass du danach nie wieder anders auf diese Tüten schaust.
Ein unversehrtes Salatblatt ist eine geschlossene Verpackung. Außen sitzt eine dünne Wachsschicht, darunter eine dichte Zellschicht. Solange die heil ist, kommt nichts heraus und nichts hinein.
Beim Fertigsalat wird geschnitten. Und jeder Schnitt öffnet Tausende Zellen. Aus diesen Zellen tritt Zellsaft aus, eine Flüssigkeit voller Zucker, Mineralien und Eiweißbausteine. Für ein Bakterium ist das kein Salat mehr, sondern ein gedeckter Tisch.
Und dann kommt der zweite Teil: Diese angeschnittenen, feuchten Blätter werden in eine geschlossene Kunststofftüte gefüllt. Die Tüte hält die Feuchtigkeit fest. Sie wird transportiert, sie liegt im Regal, sie steht bei dir im Kühlschrank. Und die ganze Zeit ist es darin feucht, nährstoffreich und warm genug.
Wenn du einen Mikrobiologen bitten würdest, dir einen Brutkasten zu bauen, würde er ungefähr das hier bauen.
Dazu kommt etwas, das kaum jemand bedenkt: Alle Blätter werden gemeinsam gewaschen. War in dieser Charge auch nur eine belastete Lieferung dabei, verteilt das gemeinsame Wasserbad die Keime über alles, was mit drin lag.
Was die Prüfer selbst sagen
Und deshalb ist die Empfehlung ungewöhnlich deutlich: Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Kleinkinder, Schwangere und ältere Menschen sollten Fertigsalate meiden.
Und für alle anderen: Wasch ihn trotzdem noch einmal. Auch wenn „gewaschen“ und „verzehrfertig“ auf der Tüte steht.
Was ja ein bemerkenswerter Satz ist, wenn man kurz darüber nachdenkt. Du bezahlst für einen Arbeitsschritt, den du danach selbst noch einmal machen sollst.
Und damit sind wir beim Wasser
Hier möchte ich einen Moment stehenbleiben, denn an dieser Stelle schließt sich für mich der Kreis.
Wir haben eben gesehen: Ein Teil des Chlorats im Salat stammt aus gechlortem Waschwasser. Und jetzt gehst du nach Hause, nimmst genau diesen Salat und wäschst ihn — womit? Mit dem, was aus deiner Leitung kommt.
Leitungswasser in Deutschland wird kontrolliert, das stimmt. Aber „kontrolliert“ heißt nicht „leer“. Es heißt: unter Grenzwerten. Und geprüft wird auf eine feste Liste, nicht auf alles, was inzwischen darin unterwegs ist. Für Rückstände von Medikamenten, für Weichmacher, für Mikroplastik gibt es entweder keinen Grenzwert oder keine regelmäßige Prüfung. Nicht weil sie nicht drin wären, sondern weil sie in der Liste nicht vorkommen.
Und wenn dein Wasser dann noch mit Chlor desinfiziert wurde, wäschst du deinen Salat mit genau dem Stoff, dessen Nebenprodukt du eigentlich loswerden wolltest.
Deshalb war mein eigener wichtigster Schritt in dieser ganzen Geschichte nicht der Verzicht auf irgendein Lebensmittel. Es war das Wasser. Denn Wasser geht in jedes Gericht, das du kochst, in jedes Glas, das du trinkst, und eben auch über jedes Blatt, das du wäschst. Wenn du an einer einzigen Stelle etwas veränderst, wirkt es dort am breitesten.
Was wirklich in deiner Leitung ist, wie du es herausfindest und woran du einen ernsthaften Filter von einem teuren Placebo unterscheidest, habe ich in meinem kostenlosen Wasser-Ebook aufgeschrieben: ayse-meren.de/wasser. Und das System, mit dem ich das bei mir zu Hause gelöst habe, findest du hier: ayse-meren.de/filter.
Was ich heute mache
- Kopfsalat statt Tüte. Ein ganzer Kopf ist geschlossen und ungeschnitten und kostet meistens weniger. Waschen und Trockenschleudern dauert vier Minuten.
- Wenn Tüte, dann waschen. Kaltes Wasser, kurz einlegen, abgießen, trockenschleudern.
- Auf das Datum schauen und nicht daran herumschummeln. Die Keimzahl steigt mit jedem Tag. Der letzte Tag vor Ablauf ist beim Fertigsalat ein völlig anderer Zustand als der Tag der Lieferung.
- Aufgeblähte Tüten liegen lassen. Wenn sich ein Beutel wölbt, produziert darin etwas Gas. Das ist selten die Verpackung.
- Nach dem Waschen wirklich trocken. Restfeuchte im Kühlschrank macht dasselbe wie Restfeuchte in der Tüte.
Und wenn du sonst nichts mitnimmst, dann bitte das: „Gewaschen“ auf der Packung sagt nichts über den Zustand in deiner Hand. Es beschreibt einen Arbeitsschritt, der Tage vorher in einem Wasserbad stattgefunden hat, das diese Blätter mit hunderten anderen geteilt haben.
Wenn du wissen willst, welche wirklich in Ordnung waren
Kommentier unter dem Reel einfach das Wort Salat, dann schicke ich dir alles zu — die Ergebnisse und woran du eine gute Tüte erkennst, wenn es doch mal schnell gehen muss.
Und schick das an jeden, der gerne Salat isst.
Von Herzen, deine Ayse