Es steht direkt an der Kasse, zwischen Kaugummis und Zeitschriften. Du nimmst es mit, weil es schön ist, weil du jemanden besuchst, weil du dir selbst etwas Gutes tun willst. Und niemand käme auf die Idee, es vor dem Hinstellen zu waschen.
Ich rede von Schnittblumen. Und was zu Rosen inzwischen an Untersuchungen vorliegt, hat mich ehrlich umgehauen.
In diesem Beitrag möchte ich mit dir durchgehen, was da tatsächlich drauf ist, warum das erlaubt ist und was am Ende davon in unseren Körpern landet. Denn genau das wurde gemessen.
Was die Forscher gemacht haben
An der Universität Lüttich in Belgien gibt es ein Labor für Pestizidwissenschaft. Eine Arbeitsgruppe um die Forscherin Khaoula Toumi hat sich dort eine Frage gestellt, die vorher kaum jemand gestellt hatte: Was liegt eigentlich auf den Blumen, die wir uns ins Wohnzimmer stellen?
Also haben sie eingekauft. 90 Sträuße der meistverkauften Schnittblumen Belgiens, darunter 50 Rosensträuße, bei 50 Blumenhändlern und in fünf Supermärkten. Ganz normal, wie du und ich.
Und dann kam der Versuch, der mich am meisten beschäftigt, weil er so schlicht ist: Zwanzig Floristinnen und Floristen bekamen Baumwollhandschuhe und arbeiteten damit ganz normal weiter. Sträuße binden, schneiden, einwickeln. Nach zwei bis drei Stunden gingen die Handschuhe ins Labor.
Auf diesen Handschuhen fanden sich 111 verschiedene Pestizide. Überwiegend Pilz- und Insektengifte.
Zwei Stunden Arbeit. Ein Stück Baumwolle. 111 Wirkstoffe.
Warum das überhaupt erlaubt ist
Hier stutzen die meisten Menschen zum ersten Mal. Denn die naheliegende Frage lautet ja: Wieso darf da so viel drauf sein?
Die Antwort ist verblüffend einfach. Für Lebensmittel gibt es Rückstandshöchstgehalte. Für jeden Wirkstoff, für jede Frucht, festgelegt und kontrolliert. Im Zweifel wird eine ganze Ladung vernichtet. Weil das Zeug ja gegessen wird.
Eine Rose isst niemand.
Und deshalb fällt eine Zierpflanze schlicht nicht unter dieselben Regeln wie ein Apfel. Mengen, die auf einem Lebensmittel sofort zum Rückruf führen würden, sind auf einer Blume kein Verstoß, sondern völlig in Ordnung.
Dazu kommt, wo diese Blumen herkommen. Der allergrößte Teil wird eingeflogen — aus Kolumbien, aus Ecuador, aus Kenia. Dort sind zum Teil Mittel im Einsatz, die in der EU längst verboten sind. Und weil eine Blume makellos aussehen muss, sonst kauft sie keiner, wird eher mehr gespritzt als weniger.
Die Blume ist also nicht deshalb unbelastet, weil sie harmlos wäre. Sie ist unkontrolliert, weil sie kein Lebensmittel ist.
Und dann haben sie im Urin nachgemessen
Jetzt kommt der Teil, bei dem ich das Papier kurz weglegen musste. Denn bis hierhin könnte man ja sagen: Gut, es ist drauf — aber es bleibt drauf.
Genau das haben sie überprüft. Die Gruppe hat Urinproben von belgischem Blumenladen-Personal untersucht. Vierzehn Freiwillige, über jeweils 24 Stunden, an drei Zeitpunkten im Jahr, an denen besonders viel gearbeitet wird: Valentinstag, Muttertag und Allerheiligen.
Das Ergebnis: Bei den Floristinnen und Floristen wurden 70 relevante Substanzen in messbaren Mengen gefunden — 56 Wirkstoffe und 14 Abbauprodukte. In der Vergleichsgruppe, also bei Menschen, die nicht mit Blumen arbeiten, waren es 41.
Es bleibt also nicht auf der Blume. Es geht über die Haut, es geht über die Luft, und am Ende ist es messbar im Körper.
Und dann ist da diese zweite Zahl, über die kaum jemand spricht. 41 Substanzen in der Vergleichsgruppe. Bei ganz normalen Menschen, die mit Blumen überhaupt nichts zu tun haben. Das ist die eigentliche Nachricht dieser Untersuchung. Nicht „Floristen sind belastet“ — sondern: Ein moderner Körper trägt so etwas ohnehin mit sich herum. Die Floristen haben nur mehr davon.
Wer sagt, dass das alles kein Problem sei
Es gibt zu diesem Thema auch eine offizielle Einschätzung. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat sich Schnittblumen angesehen und kommt für normale Verbraucher zu einer beruhigenden Bewertung: Bei gelegentlichem Umgang sei ein gesundheitliches Risiko nicht zu erwarten. Anders sieht die Behörde es beim beruflichen Umgang.
Ich finde diese Einteilung bemerkenswert. Der Stoff ist derselbe. Die Haut ist dieselbe. Was sich unterscheidet, ist ausschließlich die Menge und die Frage, wer für den Schaden geradestehen müsste. Für einen Arbeitsplatz gibt es Arbeitsschutz, Grenzwerte und im Zweifel eine Berufsgenossenschaft. Für dein Wohnzimmer gibt es niemanden, der zahlen müsste.
Und geprüft wurde bei dieser Einschätzung ein Strauß. Nicht ein Leben mit Sträußen. Nicht der Strauß plus die Erdbeeren plus die Zimmerpflanze plus das, was ohnehin schon in dir drin ist. Genau diese Summe misst niemand — und genau diese Summe stand in der Vergleichsgruppe mit 41 Substanzen im Urin.
Schau dir an, wer sie anbaut
Es gibt ein Bild, das mir seit dieser Recherche nicht mehr aus dem Kopf geht, und du kannst es dir in zwei Minuten selbst ansehen. Such einfach mal nach Fotos aus Rosenplantagen.
Die Menschen dort stehen im Schutzanzug. Handschuhe, Atemmaske, oft eine Schutzbrille. Von Kopf bis Fuß dicht, als würden sie etwas Radioaktives anfassen.
Und genau diese Pflanze drückt man dir vier Tage später an der Kasse in die Hand. Ohne Handschuhe, ohne einen einzigen Hinweis. Damit du sie dir ans Gesicht hältst und daran riechst. Und danach steht sie zehn Tage lang offen in dem Raum, in dem du schläfst oder dein Kind spielt.
Ich glaube, dieses Bild erklärt die Sache besser als jede Zahl.
Was dein Körper damit macht
Die erste Reaktion ist meistens: alles vermeiden. Und ich verstehe sie gut. Aber die Studie zeigt selbst, warum das allein nicht reicht — 41 Substanzen bei Menschen, die nichts falsch gemacht haben.
Wir leben nicht in einer Welt, in der sich das auf null bringen lässt. Was zählt, ist deshalb die andere Seite der Rechnung: wie gut dein Körper das wieder loswird.
Und dafür hast du ein Organ, das genau dafür gebaut ist. Deine Leber ist im Grunde eine chemische Werkstatt. Sie nimmt Fremdstoffe, die sich in Fett lösen — und Pestizide sind fast immer genau das — und baut sie in zwei Schritten so um, dass sie sich in Wasser lösen. Erst dann können sie über Niere und Darm überhaupt hinaus.
Für diesen zweiten Schritt braucht sie Material. Vor allem Glutathion: ein Stoff, den dein Körper selbst herstellt und an den Giftstoffe angehängt werden, damit sie abtransportiert werden können. Man kann sich das wie Müllsäcke vorstellen. Solange genug da sind, geht der Müll raus. Sind keine da, bleibt er liegen.
Und diese Müllsäcke gehen heute deutlich schneller zur Neige als vor fünfzig Jahren, weil viel mehr abzutransportieren ist.
Genau deshalb liegt mein Schwerpunkt längst nicht mehr allein auf dem Vermeiden, sondern auf dem Abtransport. Wer seine Leber dabei unterstützen möchte, findet bei uns drei Dinge, die genau dafür gemacht sind:
- Leberstark — für die Entgiftungsarbeit der Leber selbst.
- Glutathion — genau der Stoff, an dem der Abtransport hängt.
- Pure Body Clean — wenn du den Körper einmal grundsätzlich durchspülen möchtest.
Was ich selbst geändert habe
Ich sage nicht, dass du keine Blumen mehr kaufen sollst. Blumen sind schön, und ein Leben ohne sie wäre ärmer. Ich mache nur ein paar Dinge anders:
- Bio, Fairtrade oder aus der Region. Es gibt zertifizierte Schnittblumen, und was auf dem Feld nebenan gewachsen ist, hat nicht dieselbe Vorgeschichte wie ein Flugzeug voller Rosen.
- Der Jahreszeit folgen. Was im Februar blüht, kommt nicht aus Deutschland.
- Hände waschen — nach dem Auspacken, nach dem Anschneiden, nach jedem Wasserwechsel. Die Haut ist der wichtigste Weg hinein.
- Nicht daran riechen. Ausgerechnet die Bewegung, zu der eine Rose einlädt, ist die ungünstigste.
- Nicht ins Schlafzimmer und nicht ins Kinderzimmer. Wohnzimmer gerne. Aber nicht der Raum, in dem jemand acht Stunden am Stück atmet.
Und wenn dir doch jemand einen Strauß mitbringt, dann freu dich darüber. Es geht nicht darum, sich das Schöne zu verderben. Es geht darum, dass du weißt, was du in der Hand hast.
Wenn du mehr dazu lesen willst
Kommentier unter dem Reel einfach das Wort Blumen, dann schicke ich dir alles zu — die Untersuchungen, die Zahlen und woran du gute Blumen erkennst.
Und teil das mit jemandem, der ab und zu gerne Rosen kauft.
Von Herzen, deine Ayse