10 Vitamin Fehler (Teil 2)

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Als Heilpraktikerin sehe ich fast täglich, wie Menschen versuchen, ihre Gesundheit mit Vitaminen zu verbessern, dabei aber unwissentlich Fehler machen, die den Erfolg sabotieren oder sogar neue Probleme schaffen. Hier sind die 10 häufigsten:

1. Die falsche Form von B12 verwenden.

  • Warum das ein Fehler ist: Die meisten günstigen Präparate verwenden Cyanocobalamin. Das ist eine synthetische, inaktive Form, an die ein winziges Cyanid-Molekül gebunden ist. Dein Körper muss es erstens entgiften (das Cyanid) und zweitens in die aktive Form (z. B. Methylcobalamin) umwandeln.

  • Warum du das nicht solltest: Dieser Umwandlungsprozess ist bei sehr vielen Menschen (Stichwort MTHFR-Genmutation) gestört oder ineffizient. Du nimmst also ein Vitamin, das nicht richtig ankommt, und belastest deinen Körper zusätzlich mit einem Giftstoff, den er loswerden muss. Wir wollen aber entlasten! Besser sind die bio-aktiven Formen wie Methylcobalamin oder Adenosylcobalamin.

2. D3 ohne K2 einnehmen.

  • Warum das ein Fehler ist: Vitamin D3 ist genial und unglaublich wichtig. Seine Hauptaufgabe ist es, die Kalziumaufnahme aus dem Darm ins Blut massiv zu erhöhen.

  • Warum du das nicht solltest: Wenn du jetzt viel Kalzium im Blut hast, aber kein Vitamin K2 (speziell MK-7), weiß der Körper nicht, wohin damit. K2 ist der „Verkehrspolizist“, der das Kalzium aus dem Blut in die Knochen und Zähne leitet. Ohne K2 lagert sich das Kalzium dort ab, wo wir es nicht wollen: In den Arterien (Arteriosklerose, Herzinfarkt-Risiko) und in den Nieren (Nierensteine). D3 und K2 sind ein absolutes Team!

3. Die Vitamine A, D, E & K auf nüchternen Magen einnehmen.

  • Warum das ein Fehler ist: Diese vier Vitamine sind fettlöslich.

  • Warum du das nicht solltest: Der Körper kann fettlösliche Vitamine nur dann aufnehmen, wenn im Darm gleichzeitig Fette vorhanden sind. Die Fette aus der Nahrung stimulieren die Produktion von Gallensäure, die wiederum die Vitamine für die Aufnahme „verpackt“. Nimmst du sie auf leeren Magen (nur mit Wasser), rauschen sie größtenteils einfach wirkungslos durch deinen Körper. Das ist buchstäblich teures Geld, das du die Toilette hinunterspülst. Immer zu einer Mahlzeit mit gesunden Fetten (Avocado, Olivenöl, Fisch etc.) einnehmen.

4. Kofaktoren ignorieren.

  • Warum das ein Fehler ist: Nährstoffe arbeiten nie allein. Sie sind Teil eines komplexen Orchesters. Ein Kofaktor ist ein „Hilfsstoff“, den ein Vitamin braucht, um überhaupt aktiviert zu werden oder seine Arbeit zu tun.

  • Warum du das nicht solltest: Das beste Beispiel ist Vitamin D: Es benötigt Magnesium für seine Umwandlung in die aktive Form. Nimmst du jetzt hohe Dosen Vitamin D, verbraucht dein Körper Unmengen an Magnesium. Wenn du das nicht mitauffüllst, rutschst du in einen Magnesiummangel (Folge: Krämpfe, Schlafstörungen, Herzrasen). Nährstoffe einzeln und hochdosiert zu nehmen, ohne an das Team zu denken, bringt das System aus dem Gleichgewicht.

5. Denken, Beta-Carotin sei dasselbe wie Vitamin A.

  • Warum das ein Fehler ist: Beta-Carotin (z. B. aus Karotten) ist nur eine Vorstufe (Provitamin) von Vitamin A. Das echte, aktive Vitamin A heißt Retinol und findet sich nur in tierischen Quellen (Leber, Eigelb, Butter).

  • Warum du das nicht solltest: Dein Körper muss Beta-Carotin erst mühsam in Retinol umwandeln. Bei sehr vielen Menschen (bis zu 50 % der Bevölkerung!) ist dieser Umwandlungsschritt genetisch stark eingeschränkt (BCM01-Gen). Auch eine Schilddrüsenunterfunktion kann das blockieren. Du kannst also kiloweise Karotten essen und trotzdem einen schweren Vitamin-A-Mangel (Folge: schlechte Haut, Nachtblindheit, Infektanfälligkeit) haben.

6. Nicht verstehen, dass Vitamin D ein Hormon ist.

  • Warum das ein Fehler ist: Wir nennen es „Vitamin“, aber biochemisch gesehen ist es ein Pro-Hormon. Es wird aus Cholesterin gebildet (wie Testosteron oder Östrogen) und hat Rezeptoren an fast JEDER Zelle deines Körpers.

  • Warum du das nicht solltest: Weil es ein Hormon ist, sollten wir es mit Respekt behandeln. Es steuert Tausende von Genen und greift tief in dein Immun- und Hormonsystem ein. Man sollte es nicht „auf gut Glück“ einwerfen. Das ist der Grund, warum „mehr ist mehr“ bei Vitamin D nicht funktioniert und warum das Testen deines Blutspiegels (und die Balance mit K2 & Magnesium) so entscheidend ist.

7. Annehmen, dass ein hoher B12-Blutwert = bessere Gesundheit bedeutet.

  • Warum das ein Fehler ist: Der Standard-Bluttest misst das gesamte B12 im Serum (Blut). Er misst aber nicht das B12, das in der Zelle ankommt und aktiv arbeitet.

  • Warum du das nicht solltest: Ein hoher B12-Wert im Blut kann paradoxerweise ein Zeichen für einen zellulären Mangel sein. Das B12 „schwimmt“ im Blut, kommt aber nicht in die Zelle, wo es gebraucht wird (z. B. wegen Transportstörungen oder MTHFR). Man hat dann alle Symptome eines Mangels (Müdigkeit, Brain Fog, Kribbeln), obwohl der Arzt sagt „Ihr Wert ist top!“. Ein hoher Wert kann auch ein Warnsignal für Leberprobleme sein. Ich schaue mir daher immer funktionelle Marker an (z. B. Homocystein, MMA).

8. Denken, B12 sei nur für Vegetarier wichtig.

  • Warum das ein Fehler ist: Vegetarier und Veganer sind eine klare Risikogruppe, da B12 fast nur in tierischen Produkten vorkommt.

  • Warum du das nicht solltest: Ich sehe B12-Mangel ständig bei Fleischessern. Warum? Weil die Aufnahme extrem anfällig ist. Wir brauchen viel Magensäure und den sog. „Intrinsic Factor“ (ein Protein aus der Magenschleimhaut), um B12 aufzunehmen. Menschen mit Stress (wenig Magensäure), Magen-Darm-Problemen oder jene, die Säureblocker nehmen, können das B12 aus der Nahrung (auch aus Fleisch) nicht aufnehmen. Es ist ein Absorptionsproblem, kein Zufuhrproblem.

9. Nicht wissen, dass manche Vitamine Histaminreaktionen verschlimmern können.

  • Warum das ein Fehler ist: Menschen mit Histamin-Intoleranz (ein riesiges Thema in meiner Praxis) reagieren oft paradox auf Nahrungsergänzungsmittel.

  • Warum du das nicht solltest: Bestimmte B-Vitamine (z. B. Niacin/B3 durch den „Flush“ oder synthetische Folsäure/B9) können Histaminreaktionen triggern oder das „Fass zum Überlaufen“ bringen. Wenn du ein B-Komplex nimmst und dich danach unruhig, ängstlich fühlst oder Kopfweh bekommst, könnte das eine Histaminreaktion sein. Das zeigt, dass zuerst der Darm und die Histamin-Toleranz adressiert werden müssen.

10. Methylierte B-Vitamine einnehmen, ohne die Verträglichkeit zu prüfen.

  • Warum das ein Fehler ist: Methylierte (also „aktive“) Vitamine wie Methylfolat (B9) und Methylcobalamin (B12) sind der Goldstandard für Menschen mit MTHFR-Problemen.

  • Warum du das nicht solltest: Methylierung ist der „Gaspedal“-Stoffwechselweg des Körpers. Wenn du nun jemand bist, der von Natur aus schon eher unruhig, ängstlich oder „überdreht“ ist (ein „Über-Methylierer“, oft bei COMT-Genvarianten), kann die Einnahme dieser aktiven Formen wie Öl ins Feuer sein. Die Folge sind massive innere Unruhe, Angstzustände oder Schlaflosigkeit. Man muss hier immer „start low, go slow“ (niedrig anfangen, langsam steigern) und die individuelle Toleranz prüfen.

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